Defending Sicherheitsschulungen

Kurskonzept Selbstverteidigung als Bestandteil sozialer Gruppenarbeit

 

 

Einleitung

 

Das im folgenden beschriebene Projekt ist als gemeinsame Aufgabe von verschiedenen Einrichtungen zu verstehen, deren Arbeitsschwerpunkt hier die Betreuung einer Gruppe von 8 bis 10 jugendlichen Mädchen sein wird. Die Mädchen, deren Durchschnittsalter bei 17 Jahren liegt, sind straffällig in Erscheinung getreten und werden deshalb schon von der Jugendgerichthilfe Kreis Storman – Süd betreut.

 

Die Gruppe ist homogen hinsichtlich ihrer Bereitschaft Gewalt gegen andere anzuwenden.

 

Im Ergebnis soll das Projekt weiteres delinquentes Verhalten der Mädchen verhindern und deren mögliche spätere Unterbringung in eine JVA vermeiden.

 

Unserer Ansicht nach wird das Projekt nur dann erfolgreich sein können, wenn es von vornherein in ein Netzwerk eingebunden wird, zu dem  Einrichtungen mit unterschiedlichen sozialen Interventionsstrategien dazugehören. Wir begründen diesen Ansatz damit, dass es selten nur einen Grund gibt, auf den sich aggressives Verhalten bei Jugendlichen zurückführen lässt.   Antisoziales Verhalten ist in der Regel die Summe von missglückten oder ausgebliebenen Vermittlungen sozialer Kompetenzen.

 

Unser Programm sieht durchaus vor, eine mögliche Divergenz handlungsleitender Normen und allgemein gesellschaftlich akzeptierter und legaler Verhaltensstrategien   aufzulösen, jedoch sollten  begleitend oder nach unserer Arbeit andere Hilfsgruppen sicherstellen, dass die Erfolgsorientierungen der Gruppenmitglieder  in der Spur gehalten werden.

 

Uns hat unsere bisherige Arbeit gezeigt, dass sich unsere Stärken vor allem damit erklären lassen, dass unsere Ausbilder eine hohe Akzeptanz  bei den Teilnehmenden erreichen. Dies ist zweifelsfrei eine wichtige Voraussetzung für unsere Arbeit, zu der auch die Vermittlung theoretischer Inhalte gehört. Wir gehen davon aus, diese Akzeptanz auch bei delinquenten Jugendlichen zu erreichen, weil  der Anteil an realitätsnahen Rollenspielen ( im folgenden werden wir von Konflikt-Simulationen sprechen, um eine Verwechselung mit anderen Rollenspielen, wie z.B. aus dem Bereich des Psychodramas auszuschließen ), sowie an körperbetonten Interaktionselementen in jeder Schulungseinheit hoch genug ist und somit einen für das Lernmilieu wichtigen positiven Stimulus darstellt.

 

Ein solcher Impuls ist nach unserer Auffassung unverzichtbar, weil bei Jugendlichen häufig das Fehlen einer Identität oder eines  “ sich annehmen können “   ursächlich für Gewaltanwendung gegen andere oder auch gegen sich selbst sein kann.

 

Bei der Ausübung von Gewalt spüren sich die Jugendlichen dann, hier erfahren sie sich. In extremen Fällen beschreiben die Jugendlichen diese Gewaltsituationen als Rauschzustand. Obgleich eine Bedrohung von der Gewalt ausgeht, suchen sie Orte auf, von denen sie annehmen dort auf Gewaltsituationen zu stoßen. Während der Gewaltaktion sind sie dann “ganz bei sich“.

 

Zudem gelingt es ihnen über das Instrument Gewalt eine Integration in eine gewaltakzeptierende Gruppe zu bekommen, die nicht selten als Familienersatz herhalten kann. 

 

Wie geartet die Motivlage für Gewalt auch sein mag, eine Transferleistung von der bisherigen Erlebniswelt zu einer “ neuen Wirklichkeit“,  funktioniert nach unserer Erfahrung nur schwerlich ohne den Einsatz der bereits erwähnten körperbetonten Interaktionen während unseres Trainings.

 

Die Vermittlung unserer Selbstverteidigungstechniken stellt eine Heranführung an neue Bewältigungsstrategien dar, deren Einsatz eine bewusste Entscheidung erfordert, da diese sonst nicht funktionieren.  Ohnmachtgefühle als Auslöser bisheriger Bewältigungsstrategien weichen dem Einsatz gelernter Lösungswege.

 

Das Erlernen alternativen Verhaltens kann auch  mit Angst und Unsicherheit gegenüber dem Neuen einhergehen, - wir stellen bei den Teilnehmenden des öfteren anfängliche Änderungsresistenzen fest, schließlich vermitteln die bisherigen Verhaltensweise eine, wenn auch trügerische Sicherheit. Von daher ist es unentbehrlich, dass die Teilnehmenden während der Simulationen an Grenzen geraten, die aufzeigen, dass das alte Verhalten nicht mehr genügend Vorteile bereithält ( kognitiver Ansatz ).

 

Zu einem späteren Zeitpunkt unserer Schulungen sind die Teilnehmenden erfahrungsgemäß eher bereit, sich auch an Strukturen unseres gesellschaftlichen Wertesystems heranführen zu lassen. Moralische Betrachtungen, hinsichtlich des bisherigen Lebens zu früh von den Teilnehmenden, also gleich zu Beginn des Trainings einzufordern, ist oftmals kontraindiziert. Dies könnte nämlich von den Teilnehmenden als unberechtigte Schuldzuweisung aufgefasst werden, zudem ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar, ob die “ neuen Normen“ auch tatsächlich Erfolgserlebnisse vermitteln werden. Das bisherige Leben von delinquenten Jugendlichen war häufig dadurch gekennzeichnet, dass das Wertesystem der Erwachsenen keine befriedigende Lebenswelt für Heranwachsende sicherzustellen vermag. Eine Verhaltensmodifikation wird sich von daher nach unserer Einschätzung eher nicht einstellen. An dieser Stelle verweisen wir nochmals auf die Notwendigkeit einer Arbeit in einem Netzwerk.

 

Perspektiven, bezogen auf einen sinngegebenen Tagesablauf könnte beispielsweise der wohnortnahe Sportverein bieten oder die Frauen- und Mädchenberatung, die Hilfestellungen bei der Sicherstellung des Alltags gibt. Ebenso wichtig ist die Einbeziehung des Arbeitsamtes, um mit der Vermittlung von Weiterbildungsmöglichkeiten eine spätere Erwerbstätigkeit zu erreichen. Unter Umständen müssen die Teilnehmenden gänzlich aus ihrer bisherigen Lebenswelt ( Familie, bisherigen peer-groups u.a.) genommen werden. Sollte das Projekt misslingen, wird dies nach unserem Dafürhalten ganz zuletzt an der Gruppe selbst liegen, sondern vielmehr an den Bemühungen aller Beteiligten an dem Projekt.

 


Zielsetzungen

 

Der Annahme folgend, dass delinquentes Verhalten von Jugendlichen auf ihre Entwicklungsgeschichte zurückzuführen ist und sich somit deren defizitären Reaktions- und Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf ein soziales Miteinander erklären lassen, führt für uns zu folgender Zielsetzung:

 

Wir möchten mit unserem Training erreichen, dass die Teilnehmenden neue und ergänzende soziale Kompetenzen und Fähigkeiten erlangen. Diese sollten leicht erlernbar, realistisch - bezogen auf deren Anwendbarkeit und in dem zur Verfügung stehenden zeitlichen Rahmen durchführbar sein.

 

Dazu gehört die Errichtung und Instandsetzung folgender persönlicher immaterieller Ressourcen:

 

1. Einsicht in die Notwendigkeit einer dauerhaften Mitarbeit für die individuelle Veränderung

2. Entwicklungsdauer eigener sozialer Fertigkeiten akzeptieren können

3. Erkennen und Zulassen von Gefühlen sowie Kontrolle negativer Gefühle

4. Aufbau einer souveränen Selbst- und Fremdwahrnehmung

5. Frühzeitiges Erkennen von Situationen, die zur eigenen Überforderung führen können und angemessene Beseitigung solcher Situationen

6.  Wahrnehmung der individuellen Erwartungen und Einstellungen gegenüber Beziehungen zu unterschiedlichen Personen

7. Erkennen und Annehmen von kurz- mittel- und langfristigen Lösungsstrategien

8. Steigerung der Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit

 

 

Methodik

 

Das DEFENDING – Ausbildungsprogramm soll gewährleisten, dass die Teilnehmenden ein Höchstmaß an Sicherheit für ein sozial angemessenes Verhalten erreichen. D.h.:

 

Aggressives Verhalten wird durch andere Konfliktlösungsmodelle in Frage gestellt. Dies geschieht zunächst durch die Präsentation von verschiedenen Konflikten ohne vorher auf adäquate Lösungsmöglichkeiten zu verweisen.  Die Teilnehmenden erfahren sich selbst und werden feststellen, dass ihr Konfliktlösungsrepertoire nicht den gewünschten Erfolg bringt.

 

Somit erlangen die Teilnehmenden durch das Erleben ihrer individuellen physischen Aktionsmuster die Bereitschaft, auch noch nicht bekannte mentale Aktionsmuster zu erlernen.

 

Unsere Methodik hat folgende Bestandteile:

 

(Beispiele)

 

1. Der Trainer lässt die Teilnehmenden ca. 30 Sekunden auf ein Schlagkissen einschlagen. Teilnehmende erfahren, dass grundloses Einschlagen zu anstrengend  und sinnlos ist.

 

2. Trainer trägt einen Vollschutzanzug und simuliert einen körperlichen Angriff. Teilnehmende erfahren, dass die körperliche Verteidigung nicht immer erfolgreich ist und schon gar nicht gegen einen scheinbar stärkeren Angreifer.

 

3. Trainer trägt einen Vollschutzanzug und simuliert Beleidigungen. Teilnehmende erfahren, dass bisherige Reaktionsmuster unvermeidlich ein unbefriedigenden Ausgang haben werden.

 

Im Anschluss findet ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch über das zuvor Erlebte statt. Bei diesem nach jeder Übung wiederkehrenden Austausch von Fremd- und Selbstwahrnehmung folgt die gemeinsame Suche nach Alternativstrategien.

 

 


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